Krachendes Lebenszeichen


Gießener Anzeiger vom 06.03.

Krachendes Lebenszeichen

Von Rüdiger Dittrich

VERBANDSLIGA Beeindruckende Leistung der jungen 1900er gegen Eddersheim / Starker Duarte

GIESSEN - Der VfB 1900 lebt. Mit einem hochverdienten 4:1 (1:0)-Erfolg gegen den als Tabellensechsten angereisten FC Eddersheim bestätigte die Elf von Trainer Günter Stiebig nicht nur die Leistung aus der Vorwoche bei Spitzenreiter SC Waldgirmes, sondern belohnte sich auch für einen sowohl kämpferisch, aber auch spielerisch überzeugenden Auftritt. Besonders beeindruckend und als Schlüssel zum Punkte-Safe zu werten, war das über 90 Minuten ausgeübte Pressing, das den spielstarken Gästen, bei denen Ex-VfBer Hendrik Dechert nach Grippe erst kurz vor Schluss kam, früh den Zahn zog. Und während das Teamt von Rouven Leopold aufgrund der ebenso diszipliniert wie intensiven-giftigen Vorwärtsverteidigung der Gießener keine ruhige Minute zum Spielaufbau blieb, zeigte die Stiebig-Elf im Gegenzug einige fein einstudierte Spielzüge, die den FCE immer wieder in die Bredouille brachten. So kam das 1:0 nach einer Viertelstunde nicht von ungefähr: Max Dörfler flankte von links, Dennis Jost verfehlte zwar per Kopf, doch den Abpraller versenkte Neuzugang Lucas Duarte aus gut 16 Metern gekonnt. Überhaupt war es der kleine, quirlige Duarte, der deutlich größeren Abwehrstrategen aus Eddersheim mit permanentem Anlaufen gehörig nervte. Die Gäste, in der Vorrunde noch 5:0-Sieger, versuchten nach dem Rückstand, ihre spielerische Überlegenheit in die Waagschale zu werfen, kamen aber durch Niklas Rottenau nur zu zwei Halbchancen.
VfB 1900 Gießen – FC Eddersheim 4:1
Die verdiente Pausenführung der Gießener schien insofern gefährdet, als dass fraglich schien, ob die jungen 1900er das Pressing und laufintensive Spiel über die volle Zeit würden aufrechterhalten können. Aber: Auch aus der Kabine kamen die Gastgeber mit der Portion mehr Willenskraft. Und mit Nino Binz, der Sascha Lorenz ersetzte. Das machte sich schon nach 52 Minuten bezahlt, als Dennis Jost völlig frei vor dem Eddersheimer Tor auftauchte und locker zum 1:0 hätte einschieben können. Er passte jedoch auf Binz, allerdings viel zu steil, die Chance schien verpufft. Doch aus merkwürdigem Winkel, weit abgedrängt, versenkte Binz die Kuge doch noch zum 2:0. Da tobte der VfB-Anhang, der mager an Zahl, aber stark an Stimme endlich wieder einmal etwas zu feiern hatte. In der 56. Minute kannten die Glücksgefühle bei dem Häuflein VfB-Getreuer keine Grenzen mehr, als Binz – Duarte war gefoult worden – den fälligen Freistoß aus 22 Metern flach ins Netz hämmerte. Kurz darauf tat es ihm aber Turgay Akbulut gleich, der auf der Gegenseite per Freistoß auf 1:3 verkürzte. Zwar hatte Eddersheim in der Folge ein leichtes Chancenplus, aber bis auf einen Lattenknaller von Marvin Esser kam nichts dabei heraus. Im Gegenteil: Über Binz und Duarte gelangte der Ball zu Simon Tekin, der über links allen Gästen enteilte und blitzsauber zum 4:1 traf. Danach gab es kein Halten mehr – und Günter Stiebig war voll des Lobes: „Die Mannschaft lebt. Wir haben uns für die harte Trainingsarbeit belohnt. Ich bin stolz auf die Jungs. Sie haben umgesetzt, was ich will: Disziplin, Disziplin, Disziplin.“

VfB 1900 Gießen: Seemann; Proske, M. Dursun, Apostolou, Jost (88. Köse), Dörfler, Tekin (84. Reif), Heberer, Lorenz (45. Binz), Duarte, E. Dursun.

FC Eddersheim: Hinterkopf; Esser, Freymann, Lindner, F. Rottenau, N. Rottenau, Mevkic, Küper, Rebic (87. Dechert), Matheisen (39. Akbulut), Reuter.
Tore: 1:0 Duarte (15.), 2:0 Binz (52.), 3:0 Binz (56.), 3:1 Akbulut (61.), 4:1 Tekin (80.). - Schiedsrichter: Deeg (Bad Hersfeld). - Zuschauer: 50.