Mit Teamgeist und Pressing


Gießener Allgemeine vom 06.03.

Mit Teamgeist und Pressing

Im Hinspiel, am 28. August 2016, unterlag der VfB 1900 Gießen beim FC Eddersheim mit 0:5, es gab zwei Platzverweise. Ein halbes Jahr später, im Rückspiel der Verbandsliga Mitte, gewinnen die Gießener nun mit 4:1 (1:0) und bieten eine rundum überzeugende Vorstellung. Viel besser kann man den Wandel, den das junge VfB-1900-Team seit der Winterpause vollzogen hat, nicht beschreiben. Zwar sind die Gießener zwar immer noch Vorletzter und haben nach wie vor nur minimale Chancen auf den Klassenverbleib, die Ein- und Aufstellung aber ist eine andere als in der Hinrunde. Das liegt ganz sicher zu einem beträchtlichen Teil am neuen Trainer Günter Stiebig, der gestern im ersten Heimspiel am Kunstrasenplatz des Waldstadions einen Auftakt nach Maß feierte. Nach dem deutlichen Heimsieg versammelte er seine Spieler im Kreis und sagte: »Jetzt sind die Jungs da, die Einsatz zeigen und nicht mehr die, die nur abkassieren wollen!« Danach erklärte er: »Als ich hierher kam, gab es keine Struktur, da wurde vieles toleriert. Das machen wir nicht mehr, bei uns herrscht Ordnung.« Das hat sich am Sonntag in einem erstaunlichen Teamgeist und einer griffigen Spielweise bemerkbar gemacht. Mit einem extremem Pressing bereiteten die Gießener dem Tabellensiebten große Probleme. Immer wieder gab es Ballgewinne im Mittelfeld, die zu gefährlichen Situationen führten. Während der gesamten 90 Minuten waren diese Momente zu erkennen, sie prägten und entschieden letztlich das Spiel. Zum einen sind sie der hohen Laufbereitschaft und der Aggressivität der Gießener zuzuschreiben, zum anderen waren es eklatante, einfache Fehler der Eddersheimer, die sich nach solchen Ballverlusten nicht über vier Gegentore beschweren dürfen.
Das 3:1 symbolisiert das Spiel
Nach 15 Minuten ging die Mannschaft von Günter Stiebig mit 1:0 in Führung: Winter-Neuzugang Lucas Marin nahm eine Abwehr des Gästetorhüters direkt und traf so zum 1:0. Danach hatte Eddersheim zwar mehr Ballbesitz, kam aber kaum zu klaren Torchancen. Lediglich ein Distanzschuss von Niklas Rottenau flog knapp am rechten oberen Torwinkel vorbei. Ansonsten zeigte sich die beste Offensive der Verbandsliga zwar technisch beschlagen, agierte in letzter Konsequenz aber nicht genau genug. Kurz nach der Pause fiel die Entscheidung für den VfB 1900: Nach einem der besagten Ballgewinne im Mittelfeld liefen die Hausherren zu dritt (!) alleine auf das Tor zu. Dennis Jost schaffte es tatsächlich, den Ball zu weit zu spielen, Nino Binz traf dann aber doch noch aus spitzem Winkel zum 2:0 (50.) und legte vier Minuten später per direkt verwandeltem Freistoß das 3:0 (54.) nach. Eddersheim kam in der 61. Minute durch einen ebenfalls verwandelten Freistoß von Turgay Akbulut zum 1:3, ehe Gießen mit einem schönen Konter durch Tekin Simon das 4:1 (77.) erzielte. In der Schlussminute hörte man einen Zuschauer sagen: »So ein gutes Spiel habe ich hier schon lange nicht mehr gesehen.«

VfB 1900 Gießen: Seemann – Heberer, Markus Dursun, Apostolou, Proske – Jost (89. Köse), Lorenz, Eduardo Dursun, Simon (83. Reif) – Dörfler, Marin.
FC Eddersheim: Hinterkopf – Kueper, Freymann, Lindner, Reuter – Esser – Felix Rottenau, Mevkic, Niklas Rottenau – Matheisen (32. Akbulut), Rebic.
Im Stenogramm: SR: Deeg. – Z.: 50. – Tore: 1:0 (15.) Marin, 2:0 (50.) Binz, 3:0 (54.) Binz, 3:1 (61.) Akbulut, 4:1 (77.) Simon.