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Zwei Sechser und ein Lehramt
Freitag, 21. Oktober 2011 |
Quelle: Gießener Anzeiger
Kai Ranke und Hendrik Dechert hätten im Verbandsliga-Derby VfB 1900 gegen Watzenborn-Steinberg Gesprächsstoff
GIESSEN. Wenn am Samstag Derby-Zeit im Waldstadion angesagt ist, werden diese beiden Akteure ab 15.30 Uhr womöglich desöfteren im Mittelfeld im direkten Duell die Klingen kreuzen. Der eine auf Seiten des VfB 1900 Gießen als sogenannter „Sechser“, der andere beim SC Teutonia Watzenborn-Steinberg. Die taktische Position auf dem Spielfeld ist auf den ersten Blick allerdings eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die unsere „Spieler der Woche“ Kai Ranke und Hendrik Dechert aufweisen.
Ansonsten überwiegen die Gegensätze. Da ist zum Beispiel das Alter. Denn Ranke hat mit seinen 32 Jahren anders als Dechert den Großteil seiner aktiven Laufbahn bereits hinter sich. Besonders gerne blickt Ranke auf die neuneinhalb Jahre beim imSiegerland beheimateten TuS Erndtebrück zurück, wo er mit dem Aufstieg in die Verbandsliga Westfalen den größten Erfolg feiern konnte: „Eine Meisterschaft wie diese ist immer etwas Besonderes. Wir hatten damals zur Winterpause ziemlich viel Rückstand, den wir dann grandios aufgeholt haben. Es gab am Ende ein Entscheidungsspiel, das wir im Elfmeterschießen gewonnen haben.“
Über ein kurzes Gastspiel beim damaligen Hessenligisten VfB Marburg landete der Gymnasiallehrer im Sommer 2010 beim VfB 1900. Nicht zuletzt pragmatische und logistische Gründe sprachen anfangs für diesen Wechsel, wie Ranke erklärt: „Ich arbeite am Gymnasium in Wilnsdorf bei Siegen, meine Freundin ist Lehrerin in Amöneburg. Gießen liegt da als Wohnort von den Fahrtzeiten her ziemlich in der Mitte.“ Es dauerte jedoch nicht lange, bis der Fan von Borussia Mönchengladbach auch vom Gießener Traditionsclub überzeugt war: „Vom ganzen Drumherum her habe ich so etwas wie hier noch nicht erlebt. Allein die medizinische Abteilung mit Dr. Moll ist genial. Und es ist eine klasse Mannschaft, fast nur Gießener. Aber auch die anderen wie Markus Gaubatz und Andreas Baufeldt bringen sich super ein. Vor dieser Saison hatte ich zwar einige höherklassige Angebote, habe mich aber aufgrund des gesamten Umfelds entschieden zu bleiben.“ Dass Ranke die Begehrlichkeiten anderer Vereine weckte, lag sicherlich nicht zuletzt an der phänomenalen Rückrunde, die den 1900ern im Endklassement den nicht mehr für möglich gehaltenen zweiten Platz bescherte. Gehörigen Anteil daran hatte Ranke, der seine Stärken und Schwächen wie folgt beschreibt: „Ich bin sehr diszipliniert und versuche einfach und nicht kompliziert zu spielen. Ich bin primär der Kämpfertyp, nicht der Techniker.“ Kämpfen musste er in den letzten Monaten auch, um nach einem Muskelbündelriss wieder in Form zu kommen. Direkt nachdem er grünes Licht gegeben hatte, bot ihn Trainer Matthias Hagner sofort in seiner Anfangsformation beim 3:1 in Schröck am vergangenen Sonntag auf - ebenfalls ein Zeichen der Wertschätzung. Dementsprechend hofft Ranke für das Nachbarschaftsduell gegen Watzenborn erneut auf einen Platz in der Startelf, obschon er unter der Woche einige Trainingseinheiten wegen einer Klassenfahrt nach Prag verpasste. Obwohl er „Zugezogener“ist, merkt man ihm an, dass er dem Match entgegen fiebert: „Auf jeden Fall ist es ein besonderes Spiel. Natürlich bekomme ich den Derbycharakter mit. Einige Spieler kennen sich gut, sind befreundet. Es wäre schön, wenn viele Zuschauer kommen und die Hütte voller ist als sonst. Ich glaube, dass auf dem Platz viel passieren wird. Es werden schon ein paar Tore fallen, weil zwei gute Offensivreihen aufeinandertreffen. Wir wollen natürlich die Nummer eins im Gießener Raum bleiben.“
Ein Routinier wie Ranke, der derzeit am C-Schein für die Trainerlizenz feilt, ist sein Gegenüber bei den Watzenborner Teutonen, Hendrik Dechert, beileibe nicht. Mit seinen 20 Jahren steht Dechert am Anfang seiner Laufbahn, die im Seniorenbereich in der abgelaufenen Spielzeit mit der Meisterschaft des SC in der Gruppenliga vielversprechend begann. Seine Ausbildung allerdings erfuhr er in der Jugend des VfB 1900, entschloss sich dann 2010 für den Wechsel zu den Grün-Weißen, den ihm Spielertrainer Gino Parson schmackhaft gemacht hatte: „Gino hat ja damals selbst noch beim VfB gespielt und mich angesprochen. Er hat mir seine Philosophie näher gebracht und mich davon überzeugt. Wichtig war, dass ich die Chance hatte zu spielen. Der VfB hatte im Mittelfeld eine Topbesetzung, da wäre es schwieriger gewesen. Im Nachhinein hat sich der Schritt als richtig erwiesen.“ Nun begegnet er den Gießenern mit seinem Verein auf Augenhöhe, denn lediglich zwei Zähler trennen den Tabellenzweiten vom Rangfünften. Dementsprechend heiß ist der 20-Jährige, „Sticheleien“ von des Gegners Seite dürften ihn zusätzlich motivieren: „Das ist ein Spiel, auf das man gewartet hat, um zu zeigen, wo man steht. Ich habe schon von einigen VfB-Spielern gehört, die sagen, dass es eine klare Geschichte für sie wird. Das sehe ich natürlich nicht so, es wird ein umkämpftes Spiel werden.“ Kämpferische Elemente sieht Dechert zwar auch als prägend für sein eigenes Spiel an, ein Typ Marke Ranke ist er trotzdem nicht: „Ich bin als Distanzschütze stark und kann auch spielerisch Pässe durch die Abwehr stecken.“ Im mit zahlreichen Hochkarätern besetzten Mittelfeld des SC kommt ihm in dieser Runde die Rolle des Abfangjägers vor der Abwehr zu, der überdies für den Spielaufbau zuständig ist. Mit Ausnahme einer Bänderdehnung, die ihn zwischenzeitlich ein wenig aus dem Tritt brachte, gehört der Youngster zum Stammpersonal des Liganeulings. Das Ende der Fahnenstange muss damit aber noch nicht erreicht sein, Dechert möchte sich verständlicherweise alle Optionen offen halten: „Ich bin jetzt nicht in einem Alter, in dem ich sage, dass ich in Watzenborn für immer bleibe. Ich gucke schon nach oben und es ist unter anderem ein Ziel, mal die Hessenliga zu erreichen.“ Ranke arbeitet an der Trainerlizenz, Dechert hat dagegen die höchste Landesspielklasse im Blick - wieder ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Sechsern. Eine Sache haben beide allerdings dann doch noch gemein. Dechert, der derzeit Sozialwissenschaften studiert, liebäugelt mit dem Quereinstieg als Lehramtsstudent. „Vielleicht Gymnasiallehramt“, sagt er. Ein Gesprächsthema hätten Ranke und Dechert also - jedoch sicherlich erst nach den 90 Minuten.
Kai Ranke und Hendrik Dechert hätten im Verbandsliga-Derby VfB 1900 gegen Watzenborn-Steinberg Gesprächsstoff
GIESSEN. Wenn am Samstag Derby-Zeit im Waldstadion angesagt ist, werden diese beiden Akteure ab 15.30 Uhr womöglich desöfteren im Mittelfeld im direkten Duell die Klingen kreuzen. Der eine auf Seiten des VfB 1900 Gießen als sogenannter „Sechser“, der andere beim SC Teutonia Watzenborn-Steinberg. Die taktische Position auf dem Spielfeld ist auf den ersten Blick allerdings eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die unsere „Spieler der Woche“ Kai Ranke und Hendrik Dechert aufweisen.
Ansonsten überwiegen die Gegensätze. Da ist zum Beispiel das Alter. Denn Ranke hat mit seinen 32 Jahren anders als Dechert den Großteil seiner aktiven Laufbahn bereits hinter sich. Besonders gerne blickt Ranke auf die neuneinhalb Jahre beim imSiegerland beheimateten TuS Erndtebrück zurück, wo er mit dem Aufstieg in die Verbandsliga Westfalen den größten Erfolg feiern konnte: „Eine Meisterschaft wie diese ist immer etwas Besonderes. Wir hatten damals zur Winterpause ziemlich viel Rückstand, den wir dann grandios aufgeholt haben. Es gab am Ende ein Entscheidungsspiel, das wir im Elfmeterschießen gewonnen haben.“
Über ein kurzes Gastspiel beim damaligen Hessenligisten VfB Marburg landete der Gymnasiallehrer im Sommer 2010 beim VfB 1900. Nicht zuletzt pragmatische und logistische Gründe sprachen anfangs für diesen Wechsel, wie Ranke erklärt: „Ich arbeite am Gymnasium in Wilnsdorf bei Siegen, meine Freundin ist Lehrerin in Amöneburg. Gießen liegt da als Wohnort von den Fahrtzeiten her ziemlich in der Mitte.“ Es dauerte jedoch nicht lange, bis der Fan von Borussia Mönchengladbach auch vom Gießener Traditionsclub überzeugt war: „Vom ganzen Drumherum her habe ich so etwas wie hier noch nicht erlebt. Allein die medizinische Abteilung mit Dr. Moll ist genial. Und es ist eine klasse Mannschaft, fast nur Gießener. Aber auch die anderen wie Markus Gaubatz und Andreas Baufeldt bringen sich super ein. Vor dieser Saison hatte ich zwar einige höherklassige Angebote, habe mich aber aufgrund des gesamten Umfelds entschieden zu bleiben.“ Dass Ranke die Begehrlichkeiten anderer Vereine weckte, lag sicherlich nicht zuletzt an der phänomenalen Rückrunde, die den 1900ern im Endklassement den nicht mehr für möglich gehaltenen zweiten Platz bescherte. Gehörigen Anteil daran hatte Ranke, der seine Stärken und Schwächen wie folgt beschreibt: „Ich bin sehr diszipliniert und versuche einfach und nicht kompliziert zu spielen. Ich bin primär der Kämpfertyp, nicht der Techniker.“ Kämpfen musste er in den letzten Monaten auch, um nach einem Muskelbündelriss wieder in Form zu kommen. Direkt nachdem er grünes Licht gegeben hatte, bot ihn Trainer Matthias Hagner sofort in seiner Anfangsformation beim 3:1 in Schröck am vergangenen Sonntag auf - ebenfalls ein Zeichen der Wertschätzung. Dementsprechend hofft Ranke für das Nachbarschaftsduell gegen Watzenborn erneut auf einen Platz in der Startelf, obschon er unter der Woche einige Trainingseinheiten wegen einer Klassenfahrt nach Prag verpasste. Obwohl er „Zugezogener“ist, merkt man ihm an, dass er dem Match entgegen fiebert: „Auf jeden Fall ist es ein besonderes Spiel. Natürlich bekomme ich den Derbycharakter mit. Einige Spieler kennen sich gut, sind befreundet. Es wäre schön, wenn viele Zuschauer kommen und die Hütte voller ist als sonst. Ich glaube, dass auf dem Platz viel passieren wird. Es werden schon ein paar Tore fallen, weil zwei gute Offensivreihen aufeinandertreffen. Wir wollen natürlich die Nummer eins im Gießener Raum bleiben.“
Ein Routinier wie Ranke, der derzeit am C-Schein für die Trainerlizenz feilt, ist sein Gegenüber bei den Watzenborner Teutonen, Hendrik Dechert, beileibe nicht. Mit seinen 20 Jahren steht Dechert am Anfang seiner Laufbahn, die im Seniorenbereich in der abgelaufenen Spielzeit mit der Meisterschaft des SC in der Gruppenliga vielversprechend begann. Seine Ausbildung allerdings erfuhr er in der Jugend des VfB 1900, entschloss sich dann 2010 für den Wechsel zu den Grün-Weißen, den ihm Spielertrainer Gino Parson schmackhaft gemacht hatte: „Gino hat ja damals selbst noch beim VfB gespielt und mich angesprochen. Er hat mir seine Philosophie näher gebracht und mich davon überzeugt. Wichtig war, dass ich die Chance hatte zu spielen. Der VfB hatte im Mittelfeld eine Topbesetzung, da wäre es schwieriger gewesen. Im Nachhinein hat sich der Schritt als richtig erwiesen.“ Nun begegnet er den Gießenern mit seinem Verein auf Augenhöhe, denn lediglich zwei Zähler trennen den Tabellenzweiten vom Rangfünften. Dementsprechend heiß ist der 20-Jährige, „Sticheleien“ von des Gegners Seite dürften ihn zusätzlich motivieren: „Das ist ein Spiel, auf das man gewartet hat, um zu zeigen, wo man steht. Ich habe schon von einigen VfB-Spielern gehört, die sagen, dass es eine klare Geschichte für sie wird. Das sehe ich natürlich nicht so, es wird ein umkämpftes Spiel werden.“ Kämpferische Elemente sieht Dechert zwar auch als prägend für sein eigenes Spiel an, ein Typ Marke Ranke ist er trotzdem nicht: „Ich bin als Distanzschütze stark und kann auch spielerisch Pässe durch die Abwehr stecken.“ Im mit zahlreichen Hochkarätern besetzten Mittelfeld des SC kommt ihm in dieser Runde die Rolle des Abfangjägers vor der Abwehr zu, der überdies für den Spielaufbau zuständig ist. Mit Ausnahme einer Bänderdehnung, die ihn zwischenzeitlich ein wenig aus dem Tritt brachte, gehört der Youngster zum Stammpersonal des Liganeulings. Das Ende der Fahnenstange muss damit aber noch nicht erreicht sein, Dechert möchte sich verständlicherweise alle Optionen offen halten: „Ich bin jetzt nicht in einem Alter, in dem ich sage, dass ich in Watzenborn für immer bleibe. Ich gucke schon nach oben und es ist unter anderem ein Ziel, mal die Hessenliga zu erreichen.“ Ranke arbeitet an der Trainerlizenz, Dechert hat dagegen die höchste Landesspielklasse im Blick - wieder ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Sechsern. Eine Sache haben beide allerdings dann doch noch gemein. Dechert, der derzeit Sozialwissenschaften studiert, liebäugelt mit dem Quereinstieg als Lehramtsstudent. „Vielleicht Gymnasiallehramt“, sagt er. Ein Gesprächsthema hätten Ranke und Dechert also - jedoch sicherlich erst nach den 90 Minuten.